
Die Geschichte von Storno begann im Jahre 1870 in Dänemark.
Damals entstand die GN (Große Nordische Telefongesellschaft) auf Initiative Carl Frederik Tietgens
durch Zusammenschluss mehrerer neu gegründeter multinationaler europäischer Telegrafiegesellschaften
und ein erweitertes Geschäftsmodell. Tietgen erreichte eine Vereinbarung mit dem russischen Zaren,
exklusiv Seekabel auf dem Gebiet Russlands verlegen und betreiben zu dürfen und eine Telegrafenleitung
durch Sibirien gelegt zu bekommen.
Im Jahr 1870 zog die GN das erste Seekabel in Hongkong an Land. Um das Jahr 1900 besaß die GN zwei
Netze von jeweils rund 6000 km Leitungslänge in Nordeuropa und Ostasien. Das eine verband Frankreich,
Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland und Island, das andere Russland, China, Hongkong und Japan,
und beide verband die Lebensader durch Russland. Der Aufwand erwies sich als immens und erforderte eine
nachträgliche Vervielfachung des Stammkapitals. Doch vom Jahr 1918 bis zum Jahr 1945 konnte aus politischen
Gründen keine konkurrierende Verbindung geschaffen werden, was die GN zum einträglichsten Unternehmen
Dänemarks machte. In den 1920er Jahren beauftragte GN Forschung im Bereich der Funktechnik.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Unternehmen eine Restrukturierung durch.
1947 wurde in Dänemark mit der Herstellung von Funktechnik unter dem Namen Storno begonnen.
Der Hauptsitz der Storno AS (Aktiengesellschaft) war Kopenhagen.
Die Entwicklung der Produkte erfolgte ausschließlich in Dänemark.
Es gab Werke in Glostrup, DK, in Flensburg, DL und ein Werk in Camberly, UK.
Das Unternehmen Storno Electronic GmbH wurde 1967 in Flensburg gegründet und widmete sich der
Produktion von Funkgeräten und war für den deutschen Markt zuständig.
Die Firma Siemens übernahm den Vertrieb der Produkte in Deutschland als OEM Produkte mit Siemens
Label etwa bis 1975.
Nachdem Siemens sich aus dem Vertrieb der Storno Geräte zurückgezogen hat, wurde in
Deutschland eine Vertriebsorganisation aufgebaut.
Der Hauptsitz des Vertriebs war Hamburg mit Technischen Büros in Bremen, Bochum, Hannover,
Nürnberg, München, Saarbrücken und in Baden-Württemberg (Stuttgart oder Karlsruhe).
Zwischen 1975 und 1981 übernahm General Electric alle Anteile von Storno.
Das alte Storno Werk war mitten im Stadtzentrum von Flensburg, Eckerner Straße.
Dort wurden die Feststationen der CQF Reihe und die Mobilstationen der CQM Reihe gebaut.
Die portabelen Geräte CQP wurden in DK gebaut.
Im Flensburger Werk gab es eine System Abteilung. Hier wurden sehr komplexe Funksysteme für
die Bundeswasserstrassen (WSA), der Energieversorger und Industrie gebaut.
Gleichwellen, Überleiteinrichtungen und Bedientische wurden dort gefertigt.
Einige besondere Systeme waren die Funkanlage der DGZRS (Seenotretter) mit dem Verteilerpunkt
(Zubringer) auf der Insel Helgoland, der Deutschen Bundespost mit dem Wertverbindungsdienst und
die Funküberwachung (Funkkontrollmessdient). Neben den "gelben Messfahrzeugen" wurden getarnte
Ford Granada mit eingebauten Peiler im Dach genutzt.
In jedem Messfahrzeug war ein CQM613 mit Doppel-RX eingebaut. Damit konnt man das Simplex UB und
GU machen. Später wurde dann noch eine Sprachverschlüsselung "STORNO Ciphernet" nachgerüstet.
Die DBP hatte damals zwei bundesweit betriebene Funknetze im 2m Band. (Monitor Netz und Wertverbindungsnetz)
In Flensburg wurde in großen Stückzahlen die Baureihe CQM6000 gebaut.
Es gab eine UHF Duplex Spezial Verion für das NMT450 (Nordische Mobil Telefon Netz)
Bis zur Übernahme durch Motorola Inc. im Jahr 1986 war Storno der größte
Betriebsfunkgerätehersteller in Europa.
Der GRÖßTE kaufte den ZWEITGRÖßTEN Hersteller.
Nach der Motorola Übernahme wurden die Duplex Mobilgeräte abgekündigt und damit
verlor man den EVU Markt und die WSA, die ausschließlich Duplex Mobilgeräte nutzten.
Der Markt wurde dann erfolgreich von Bosch übernommen.
Man hat das CQM6000 noch in die Motorola Fertigung nach Taunusstein transferiert, aber das
Gerät wurde bald als letztes echtes Storno Gerät abgekündigt. Der neue
Eigentümer verstand nicht die Nutzung von Duplex Mobilgeräten.
Aufgrund der Erfahrung und Erfolg mit dem NMT450 Netz investierte Motorola in ein neues Werk
auf der grünen Wiese vor Flensburg. Dieses Werk mit eigenen Kindergarten und Muckibude für die
Mitarbeiter wurde zum Mobiltelefonwerk für Europa.
Die Generationen von C-Netz und auch GSM Geräten wurden in riesen Stückzahlen produziert.
Durch den Preisverfall der GSM D-Netz Geräte war das Werk aber bald nicht mehr wettbewerbsfähig
und wurde geschlossen. So auch die Werke der D-Netz Mitbewerber Siemens in Kamp-Lintfort und Nokia in Bochum.
Übrigens ereilte später das Motorola Werk in Taunusstein ein ähnliches Schicksal.
Die Subventionspolitik der EU und Förderung von Investitionen in Industrie schwache EU Länder
sorgte dafür das Motorola seine europäische Fertigung von Taunustein nach Irland verlegte.
Dort wurde mit unglaublichen Subventionen der Neubau eines Werkes von der EU unterstützt.
1989 wurde der Name in Motorola Storno Dänemark geändert und der Name Storno wurde bis
Januar 1992 auf den Produkten genutzt.
Gerätebezeichnungen.
Die Gerätebezeichnungen bei allen Geräten fangen mit CQ an, gefolgt von einem
Buchstaben, der den Verwendungszweck angibt.
CQF = Feststationen
CQM = Mobilstationen
CQP = Portabelgeräte und Pager.
Danach tragen die Geräte eine 3-stellige Nummer.
Die erste Stelle gibt sie Geräteserie an.
Die zweite Stelle gibt den Frequenzbereich an.
1 = 2m-Band
3 = 4m-Band
6 = 70cm-Band
Die 3. Stelle gibt das Frequenzraster an.
1 = 50 kHz
2 = 25 kHz
3 = 20 kHz
4 = 12,5 kHz.
Da die Geräte sehr modular aufgebaut sind kam es durchaus vor, das das Typenschild aufgrund von Umbau nicht mehr dem endgültigen Zustand des Gerätes entspricht.
In den letzten Jahren wurde dann eine 4-stellige Nummerierung eingeführt.
Storno in der ehemaligen DDR
Storno hatte z.B. in Westdeutschland Durchwahlfunknetze für die Energieversorger aufgebaut.
Man konnte also mit den Funkgeräten in das Telefonnetz hinein Gespräche führen.
So etwas wollte die Führung der DDR auch haben und hat daher in den 80er Jahren des letzen Jahrhunderts
Storno Dänemark mit der Errichtung eines Funknetzes in Berlin beauftragt.
Auf dem Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin, Hauptstadt der DDR, in Wandlitz und am Flughafen Schönefeld
wurden entsprechende Feststationen errichtet.
Die Fahrzeuge der Mitglieder des Ministerrates erhielten dazu entsprechende Storno-Funkgeräte.
Somit gab es in DDR praktisch Autotelefone, beschränkt allerdings lediglich auf Berlin und den Personenkreis
der Staatsführung.
Dieses Netz war streng geheim und nur wenige Personen hatten Kenntnis über die Existenz des Funknetzes.
Wieviele Geräte und welche Typen im Einsatz waren ist mir leider nicht bekannt.